"Blockbau, Beats & BarbecueDas Timberjacks-Konzept ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich."
- kkranke
- 5. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Der nachfolgende Beitrag wurde auf food-service.de veröffentlicht und stammt von Redakteurin Katrin Wißmann (teilweise andere/ähnliche Bilder verwendet)

"Mit unverwechselbarer Architektur, hoher Aufenthaltsqualität, Live-Musik und einem riesigen F&B-Angebot hat Timberjacks an bislang acht Freestander-Standorten jenseits der Metropolen außergewöhnliche Gastro- Erlebnis-Destinationen geschaffen.
Thomas Kemner, Timberjacks Gründer
Im Grunde ist Timberjacks die Summe von Thomas Kemners bisherigen Lebensstationen: In seinem „ersten Leben“ war Kemner Forstwirt und kennt sich somit bestens aus mit Bäumen – dem Baustoff seiner Blockhäuser. Als Jäger kann er sich auch für die präparierten Tierköpfe und Geweihe in seinen Restaurants begeistern. Lange Zeit war Kemner als Großhandelskaufmann in der Textilbranche erfolgreich – professionelle
Merchandise-Artikel sind daher seit dem Start in Göttingen integraler Teil des Konzepts – inklusive großem Online-Shop. 2010 wechselte er in die Gastronomie: Als Franchise Nehmer eröffnete Kemner die erste Vapiano-Unit in Göttingen, stieg aber einige Jahre später wieder aus, um sein eigenes Konzept zu lancieren: Timberjacks.
Alles was ich mache, ist Trial and Error“, sagt Thomas Kemner. „Ich habe eine Idee – mache ich. Wenn es läuft, mache ich weiter, wenn es nicht läuft, höre ich auf.“ Bei Timberjacks läuft es. Das 2016 von Kemner gegründete, amerikanisch inspirierte Gastro- und Erlebniskonzept zählt mittlerweile acht Freestander-Standorte. Sie befinden sich entlang der Ausfallstraßen teils wenig bekannter Städte wie Marl, Bad Hersfeld, Bispingen oder Düren. Weitere acht Restaurants sind in Planung oder befinden sich bereits im Bau. Kostenfaktor pro Standort – inklusive Grundstück – rund 7,5 Millionen Euro.
Expansionsmodell und Standortstrategie

Und die haben ihre Berechtigung: Jedes Restaurant ist bereits von außen ein echter Hingucker. Auf einer Gesamtfläche von 1.080 Quadratmetern formen die massiven Stämme 250 Jahre alter Weißtannen die Wände jedes Timberjacks-Blockhauses. Das Gebäude wird von einer weitläufigen Terrasse eingerahmt. Bereits die Großbaustelle erregt an neuen Standorten die Aufmerksamkeit der Ortsansässigen und Vorbeifahrenden – und macht so künftige Gäste neugierig.
Ebenso imposant ist die Architektur im Innenraum: unter der 10,50 Meter hohen Decke entsteht aus dem Zusammenspiel zwischen Holz, Denim, Metall und Industrial-Elementen ein rustikal modernes Ambiente. Der 600 Quadratmeter große Gastraum ist unterteilt in Sektionen mit soliden Gruppentischen sowie Private Dining Areas mit Polstermöbeln für ein gehobeneres Gasterlebnis. Geweihkronleuchter sowie Stier-, Elch- und andere Tierköpfe an den Wänden unterstreichen das Blockhaus-Feeling. Insgesamt haben hier 250 Gäste Platz, weitere 180 im Außenbereich.
Architektur und Raumkonzept

Hier werden mal Timberjacks-News, mal Sportevents, mal Werbung regionaler Partner ausgespielt. Zentrale Konzeptelemente sind außerdem ein o!ener, im Winter befeuerter Kamin und ein großer Dry-Aging-Kühlschrank im Eingangsbereich, eine Rodeo-Anlage, wo sich Gäste im Bullenreiten versuchen können, sowie eine begrünte Wand für optimales Raumklima und Akustik. Die braucht es auch, denn neben der kulinarischen Vielfalt – 267 Gerichte von Steaks über Burger, Barbecue, mexikanisches Streetfood, vegetarische und vegane Gerichte sowie hausgemachte Kuchen und Eis – ist Live-Musik ein wichtiger Timberjacks-Konzeptbaustein: Einmal pro Woche verwandelt sich die Bullriding-Area in jedem Timberjacks in eine Bühne. „Das Booking übernimmt ein Manager für uns, der auch schon für Irish Pubs Künstler organisiert hat“, erklärt Kemner. Ob Rock, Blues, Gospel oder Country, für die Gäste ist das Musik-Erlebnis unter dem Motto „Meat with Beat“ kostenfrei. Sind diese Events als Kundenmagnet ausschlaggebend für den Erfolg des Konzeptes? „Nein“, meint Kemner. „Timberjacks würde auch ohne laufen, aber sie machen einfach richtig Laune, deshalb machen wir damit weiter.“
„ Ich wollte einfach einen Laden für Everyday-People – ohne Berührungsängste, aber
mit Erlebnis. “ -Thomas Kemner, Gründer Timberjacks

Einen Schritt weiter gehen die Timberjacks Live & Unplugged Events, bei denen sich die Restaurants zwei Mal im Jahr in Konzerthallen verwandeln. Der Startschuss fällt stets um 23.30 Uhr. Im Rampenlicht stehen Bands und Künstler wie The BossHoss, Cassandra Steen oder The Baseballs. Wenn die letzte Zugabe gespielt ist, geht’s kulinarisch weiter mit einem Flying BBQ-Bu!et mit Briskets, Short Ribs, Chicken Wings & Co. Um 5 Uhr morgens endet die After-Show mit DJ. Die Ticketpreise – inklusive Buffet – liegen je nach Künstlergage zwischen 89 und 129 Euro.
Bis in die Morgenstunden bleiben die Gäste an regulären Tagen zwar nicht, mit 2,5 Stunden ist die durchschnittliche Verweildauer aber dennoch sehr lang. „Daran müssen wir noch arbeiten“, meint Kemner, lehnt festgelegte Timeslots jedoch ab. „Das finde ich uncharmant.“ Vielmehr müsse stärker an der Kommunikation der Mitarbeitenden zum Gast gearbeitet werden.
Personalstruktur und Produktphilosophie
Systemweit zählt das Timberjacks-Team aktuell knapp 480 Köpfe, davon unterstützen 20 Kemner im Back-O"ce. Unter anderem Galina Hansen und Swen Riediger, die als Head of Operations bzw. CEO für die Betreibergesellschaften für den reibungslosen Betrieb aller Restaurants sorgen. Rund 60 Mitarbeiter arbeiten in jedem Restaurant. „Wir sind personalintensiv“, bestätigt Kemner. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Gründer großen Wert auf hausgemachte Produkte legt: „Wir haben kein Interesse an Convenience. Wir wollen ehrliche Produkte anbieten.“

Das bedeutet: Alle Produkte – ob Beef Jus, Beef-Patti, Ice-Ceam oder Eistee – werden an jedem Standort individuell hergestellt. Dass damit auch handwerkliche Fehler und unterschiedliche Geschmacksnuancen einhergehen („Da brauch‘ nur einer ein paar Tomaten in den Jus schmeißen, schon habe ich einen anderen Geschmack“) nimmt Kemner in Kauf. Anders geht es aktuell eben noch nicht: „Wir befinden uns aktuell in einer Größenordnung, da kann ich keine Zentralküche darstellen.“ Auch an anderen Stellen merkt der Unternehmer: „Wir sind zu groß, um klein zu sein, aber zu klein, um groß zu sein.“ Damit sein Konzept aufgeht, gibt es daher nur einen Weg: weiter wachsen, denn „dann greift irgendwann die Fixkostendegression.“
Sortimentsbesonderheiten
Zurück zum Handmade-Anspruch. Zwei Produktgruppen fallen hier besonders ins Auge: eine Auswahl von zwölf Sorten Eis – alle auf Olivenölbasis und damit laktosefrei. „Die Idee kam mir nach einem Besuch auf einer Messe in Rimini“, berichtet Kemner. „Statt Sahne dient ein stark gefiltertes Olivenöl als Geschmacksträger.“ Das sieht nicht nur schön aus, weil es besonders glänzt, sondern hat auch nur die Hälfte der Kalorien. Im Schnitt werden in jedem Restaurant wöchentlich 60 Liter produziert. Auch die Kuchen – von American Cheesecake über Banatella mit Schokoboden und Banencreme oder Nutty Crunch Cake – werden in den hauseigenen Manufakturen täglich frisch hergestellt.

Ein Stück Kuchen kostet 5 Euro, die Kugel Eis 2 Euro. Auch die Preise für Hauptspeisen sind moderat: Veggie-Gerichte von 6,90–14,90 Euro; Tacos mit Grilled Beef oder Chicken ab 9,90 Euro, das BBQ Beef Churrasco gibt’s für 23,90 Euro. Das teuerste Menu-Item ist ein 700g Prime Rib Steak für 56,90 Euro – aus dem hauseigenen Dry-Aging-Sortiment. „Bei uns kannst Du für 10 Euro essen gehen, du kannst aber auch 100 Euro lassen“, erklärt Kemner. Das Konzept soll für jeden Anlass und für jedermann offen sein.
Standortwahl und Zielgruppenansprache
Auch deshalb sucht Kemner für Timberjacks Standorte in Städten und Regionen, wo nicht ständig neue kulinarische Hotspots erö!nen – und die Gäste nach dem ersten Hype weiterziehen. Statt Berlin, München, Hamburg heißen seine nächsten Ziele daher: Bannewitz, Bensheim, Bocholt (alle bereits in der Bauphase). „Ich brauche Städte oder Landkreise mit 100–250.000 Einwohner. Orte mit Menschen, vielleicht auch Studenten, die einfach dort leben.“
An deren Bedürfnissen ist auch die Speisekarte ausgerichtet: „Unsere Produkte sind recht rustikal und deftig – wie die deutsche Esskultur“, sagt Kemner über das Menü mit fast 60 Prozent Fleischgerichten. Die Zahl der Landgasthöfe, die diese Nachfrage abdecken, sinke aber kontinuierlich. „Alle diese Umsätze landen jetzt bei uns.“ Dass die Gäste Timberjacks treu bleiben, belegen laut Kemner die Umsätze: „An unserem ersten Standort Göttingen gehen wir jetzt ins neunte Jahr – Umsatztendenz weiter steigend!“ Bei der genauen Standortwahl orientiert sich der einstige Vapiano-Franchise-Nehmer an der Strategie der Fastfood-Giganten: „Hauptverkehrsadern mit guter Sichtbarkeit und einer schnellen Verkehrsanbindung zum Grundstück sind die Infrastruktur, die wir brauchen“, so Kemner. Davon profitiert auch ein Kooperationspartner, der seit der Erö!nung in Bispingen an Timberjacks weiteren neuen Standorten (zuletzt Bad Hersfeld) in unmittelbarer Nachbarschaft zu Timberjacks eröffnet hat: Battlekart. Das „Beyond Reality“-Erlebniskonzept kombiniert in einer über 2.000 Quadratmeter großen Indoor-Halle E-Karts mit virtuellen Welten.
Für beide Unternehmen ist die direkte Nachbarschaft von Entertainment und Erlebnisgastronomie eine Win-win-Konstellation. Weitere gemeinsame Standorte sind in Planung.




