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Roboter im Timberjacks: Spielerei oder Zukunft der Gastronomie?

vor 7 Stunden
4 Min. Lesezeit

Am 4. Oktober war in unserem TIMBERJACKS Bannewitz ein ziemlich ungewöhnlicher Gast unterwegs. Zu Besuch war Ludwig II. von Robotollern, ein humanoider Roboter, der mit seinen rund 1,30 Metern Größe sofort für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Ludwig läuft, spricht, gestikuliert und reagiert auf Menschen. Es dauerte also nicht lange, bis die ersten Smartphones gezückt wurden, Fotos gemacht und Videos aufgenommen wurden.

Klar, so ein Roboter fällt auf. Aber nach den ersten neugierigen Blicken kam ziemlich schnell die eigentlich spannende Frage auf: "Braucht die Gastronomie überhaupt Roboter?"



Begleitet wurde der königliche Besuch von Dirk Andersch, Gründer und Herausgeber von "Lust auf Dresden", dem kulinarischen Informations- und Serviceportal der Dresdener Region. Seine professionelle Einschätzung könnt ihr hier detailliert nachlesen: https://www.lust-auf-dresden.com/post/bannewitz-k%C3%B6nig-ludwig-trifft-timberjacks-aber-braucht-die-gastronomie-wirklich-roboter



ERSTMAL WAR LUDWIG EINFACH EIN HINGUCKER

Wenn ein humanoider Roboter durch ein Restaurant läuft, bleibt kaum jemand völlig unbeeindruckt. Genau das war auch bei uns zu beobachten. Ludwig basiert auf einem Unitree G1 und kann sich frei bewegen, mit Gästen sprechen und auf seine Umgebung reagieren. Dabei ist er nicht komplett auf sich allein gestellt. Während seines Einsatzes wird er von einem Operator begleitet und seine Kommunikation wird durch künstliche Intelligenz unterstützt.

Für Veranstaltungen und besondere Aktionen funktioniert das ziemlich gut. Ludwig bringt Menschen ins Gespräch, sorgt für Aufmerksamkeit und schafft genau diese Situationen, über die später noch gesprochen wird. Aber irgendwann geht es eben nicht mehr nur um den Showeffekt, sondern um die Frage, ob so ein Roboter auch im normalen Restaurantalltag einen echten Nutzen haben kann.

 

EIN ROBOTER, DER KEINE TELLER TRÄGT?

Genau an diesem Punkt wird es interessant. Ludwig kann sprechen, reagieren und unterhalten. Was er aktuell aber nicht übernimmt, sind die Aufgaben, die im Servicealltag besonders viel Zeit und Kraft kosten. Er trägt keine Teller, räumt kein Geschirr ab und transportiert auch keine Getränkekisten.

Und genau da liegt möglicherweise das größere Potenzial der Robotik in der Gastronomie. Denn die eigentliche Belastung im Restaurant entsteht oft gar nicht im Gespräch mit dem Gast, sondern auf den vielen Wegen dazwischen. Von der Küche zum Tisch, vom Tisch zurück zur Küche, weiter zur Bar und wieder in den Gastraum. Diese Wege wiederholen sich während einer Schicht ständig.

Bei unserem Termin in Bannewitz wurde deshalb auch über Serviceroboter gesprochen, die genau solche Aufgaben übernehmen könnten. Nicht als Ersatz für einen Kellner, sondern als Unterstützung im Hintergrund.


KI-Roboter "Ludwig der 2." von Robotollern auf der Terasse vom Timberjacks Bannewitz bei Dresden

 

WIE VIELE KILOMETER LÄUFT EIGENTLICH EIN SERVICE MITARBEITER?

Mehr, als man vielleicht denkt. Im Gespräch wurde eine Beispielrechnung für einen Gastronomiebetrieb in unserer Größenordnung vorgestellt. Dabei kamen rund 14 Kilometer Laufweg pro Tag zusammen. Etwa 8,4 Kilometer davon könnten allein auf die Wege zwischen Küche und Gastraum entfallen.

Wichtig ist dabei: Das ist keine Messung aus unserem Restaurant, sondern eine Modellrechnung. Trotzdem macht sie ziemlich gut deutlich, worum es geht. Wenn ein Roboter einen Teil dieser Wege übernehmen kann, geht es plötzlich nicht mehr um technische Spielerei, sondern um echte Entlastung im Arbeitsalltag.

 

DER ROBOTER FÄHRT. DER MENSCH BLEIBT GASTGEBER.

Genau so könnte ein sinnvoller Einsatz aussehen. Ein Serviceroboter wird in der Küche beladen und bringt das Essen bis zu einem bestimmten Punkt im Restaurant. Dort übernimmt unser Service. Der Mitarbeiter geht zum Tisch, serviert das Essen, erklärt das Gericht, beantwortet Fragen und kümmert sich um den Gast.

 

Beim Abräumen könnte das Prinzip genauso funktionieren. Der Roboter übernimmt den Weg, der Mensch übernimmt den Service.

Und genau das ist für uns der entscheidende Punkt. Wir brauchen keinen Roboter, der Gastfreundschaft imitiert. Wir brauchen Technik, die unserem Team mehr Zeit für echte Gastfreundschaft gibt.

 

UND DANN KAM DIE KI INS SPIEL

Eigentlich wollten wir Ludwig einfach testen. Wie gut kennt ein Roboter TIMBERJACKS? Kennt er unsere Steaks? Kann er Burger erklären? Weiß er etwas über Allergene, Gutscheine oder unsere Standorte?

Klingt erstmal einfach, ist es aber nicht. Denn bevor eine künstliche Intelligenz eine gute Antwort geben kann, muss vorher festgelegt werden, welche Antwort überhaupt richtig ist.

Also beginnt man damit, Wissen zusammenzutragen. Speisekarte, Getränke, Standorte, Serviceabläufe, häufige Fragen und interne Regeln. Plötzlich geht es gar nicht mehr nur darum, einen Roboter schlauer zu machen. Es geht darum, das eigene Wissen besser zu strukturieren.

Und genau da wird das Thema auch für uns besonders interessant.

 

VIELLEICHT IST KI SCHNELLER DA ALS DER ROBOTER

Humanoide Roboter fallen auf. Sie sind sichtbar, ungewöhnlich und natürlich ein Hingucker. Künstliche Intelligenz im Hintergrund sieht dagegen niemand.

Trotzdem könnte genau sie deutlich schneller Teil des gastronomischen Alltags werden. Zum Beispiel bei der Schulung neuer Mitarbeiter, bei Fragen zu Gerichten und Zutaten oder bei Informationen zu bestimmten Abläufen und Regeln.

Wenn dieses Wissen sauber strukturiert ist, kann KI dabei helfen, Informationen schneller verfügbar zu machen. Nicht irgendwann, sondern genau in dem Moment, in dem sie gebraucht werden.

 

MENSCH ODER MASCHINE?

Für uns ist die Antwort ziemlich klar: beides. Aber mit einer klaren Aufgabenverteilung.

Ein Roboter kann Wege übernehmen, Dinge transportieren und wiederkehrende Aufgaben erledigen. KI kann Wissen bereitstellen und Informationen schneller zugänglich machen. Technik kann Prozesse einfacher und effizienter machen.

Was sie aber nicht ersetzen kann, ist die Persönlichkeit eines guten Gastgebers. Ein Roboter merkt nicht automatisch, dass jemand einen besonderen Anlass feiert. Er kennt nicht immer den richtigen Moment für eine Empfehlung und er schafft nicht automatisch die Atmosphäre, die einen guten Restaurantbesuch ausmacht.

Genau deshalb sehen wir Technik nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Werkzeug.

 

BRAUCHT DIE GASTRONOMIE ALSO ROBOTER?

Vielleicht. Aber nicht, weil sie cool aussehen und auch nicht, weil man damit einfach Personal sparen kann.

Spannend wird Robotik dann, wenn sie unserem Team wirklich Arbeit abnimmt. Wenn Laufwege kürzer werden, monotone Aufgaben reduziert werden und Informationen schneller verfügbar sind. Denn genau dadurch entsteht am Ende mehr Zeit für das, worum es in der Gastronomie eigentlich geht: die Gäste.

Wenn das funktioniert, wird aus einem Roboter mehr als nur ein Hingucker.

Dann wird Technik zu etwas, das im Hintergrund arbeitet, damit vorne mehr Zeit für Menschen bleibt.

 

 
 
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